14.. August 2019

"Man kann nicht nicht kommunizieren"

Stirbt eine prominente Person, scheint die Anteilnahme der Öffentlichkeit riesig. In den Medien ist der Trauerfall allgegenwärtig, auf Social-Media wird das Geschehene hundertfach kommentiert, es werden Blumen abgelegt oder man versammelt sich zum gemeinsamen Weinen auf der Strasse. In diesem Moment ist die Trauer kollektiv und öffentlich und sie verbindet die Menschen.

Was aber, wenn der Tod nicht in der sicheren Distanz, sondern in unmittelbarer Nähe stattfindet? Wenn er auf einmal nicht mehr nur diejenigen trifft, die weit weg sind, sondern den Freund, den Arbeitskollegen, den Nachbarn? Zeigen wir unsere Betroffenheit darüber auch so offenkundig? Oder ist es nicht vielmehr so, dass wir in Anbetracht der bedrohlichen Nähe des Todes eher verstummen und Angst haben vor der Begegnung mit denjenigen, die dieses Schicksal, einen geliebten Menschen verloren zu haben, nun ereilt hat? 
Letztlich löst ein trauernder Mensch immer auch etwas in uns selber aus. Die fremde Trauer erinnert uns vielleicht an den eigenen Schmerz oder an eigene ungeweinte Tränen. Sich diesem Gefühl auszusetzen, kann unangenehm sein. Hinzu kommt, dass man nicht Gefahr laufen möchte, etwas Unpassendes oder Falsches zu sagen. So bieten wir stattdessen den Angehörigen lieber an, dass sie sich doch melden können – oder lassen es ganz bleiben. 

„Man kann nicht nicht kommunizieren“, sagte Paul Watzlawick. Auch keine Reaktion ist eine Form der Kommunikation. Meistens eine, die schmerzt und den Trauernden in seinem Gefühl der Isolation bestärkt. Spätestens nach der Beerdigung, wenn die Verwandten abgereist sind und Freunde und Bekannte zurück in ihrem Alltag müssen, wenn die Kinder wieder zur Schule gehen oder am Arbeitsplatz zeitnah wieder „normale“ Leistungen erwartet werden, folgen Leere und Einsamkeit. 

Ich glaube, es ist nie zu spät, über seinen Schatten zu springen und aktiv einen Schritt auf einen trauernden Menschen zuzugehen. Vielleicht ist der Moment tatsächlich nicht der beste und man stösst auf vermeintliche Distanz. Vielleicht aber ist der Moment gerade goldrichtig und es entsteht eine tiefe Begegnung, die für beide Seiten bereichernd ist.